Viagra: Wirkung, Kosten und Gefahren, Ratgeber



Hintergrund.
Der ursprünglich als Blutdrucksenker erforschte Wirkstoff Sildenafil löste unter dem Namen Viagra vor 17 Jahren eine zweite sexuelle Revolution aus. Das Präparat hatte zwar nicht die gewünschte Wirkung als Blutdruckmedikament, wies aber als Nebenwirkung eine Verbesserung der Erektionsfähigkeit der Probanden auf. Ein Arzneimittel gegen Erektile Dysfunktion, umgangssprachlich Impotenz genannt, war gefunden.
Die blauen Tabletten wurden für den Hersteller Pfizer zum Riesengeschäft. Allein mit Viagra setzt das Pharmaunternehmen weltweit jährlich 1,7 Milliarden US-Dollar um. Mittlerweile gibt es weitere Präparate mit der gleichen Wirkung, darin sind die Wirkstoffen Tadalafil (Handelsname Cialis) oder Vardenafil (Handelsname Levitra) enthalten. Recht neu auf dem Markt ist ein vierter Wirkstoff namens Avanafil.
Diese Medikamente hemmen ein bestimmtes Enzym (Phosphodiesterase 5), das üblicherweise die Erweiterung von Schwellkörper-Gefäßen steuert. Die Wirkstoffe werden deshalb auch PDE-5-Hemmer genannt. Denn sie sorgen dafür, dass die glatten Muskelzellen im Penis erschlaffen, also mehr Raum einnehmen. Im Zusammenspiel mit festem umgebendem Bindegewebe, steigt der Druck im Penis und der Abfluss des Blutes wird vermindert. Es kommt zur Erektion.
Ohne gesunde Libido wirken Viagra und Co. nicht.
Wer glaubt, allein die Einnahme von Viagra und Co. würde zu einer Erektion führen, irrt jedoch. “Wenn Sie die Tablette einfach so schlucken und dann zum Beispiel weiter E-Mails schreiben, passiert gar nichts”, erklärt Dr. Matthias Mahn vom Pharmaunternehmen Pfizer. “Es bedarf zunächst einer sexuellen Stimulation. Der dadurch ausgelöste Durchblutungseffekt wird durch Viagra lediglich verstärkt und führt dann idealerweise zu einer sichtbaren Erektion.“
Fast jede Impotenz kann therapiert werden.
Eine verbreitete Ursache für Erektile Dysfunktion, umgangssprachlich Impotenz, ist eine schwache Beckenbodenmuskulatur. Diese Muskulatur ist mit dem innen liegenden Teil des Penis verbunden.
Wird die Beckenbodenmuskulatur angespannt, wird Druck auf den Penis ausgeübt. Sie ist mitverantwortlich dafür, dass das Glied erigiert.
Um die Beckenbodenmuskulatur zu trainieren, kann es erforderlich sein, täglich bis zu 20 Minuten lang spezielle Übungen zu absolvieren. Dann kann auch wieder mehr Druck auf den Penis ausgeübt werden.
Die glatten Muskelzellen in den beiden Schwellkörpern des Penis lassen sich jedoch nicht willkürlich trainieren. Genauso wenig wie der Herzmuskel. Mithilfe einer solchen Vakuumpumpe kann man sie jedoch stimulieren.
In dem Gerät wird ein Unterdruck erzeugt. Dadurch wird der Penis groß und die Zellen im Schwellkörper zum Wachstum angeregt. Etwa fünf Mal in der Woche sollten die Patienten üben. Das Hanteltraining für den Penis funktioniert übrigens nicht ohne Beckenbodentraining.
Entscheidend für den Übungseffekt ist die Stärke des Unterdrucks, der mit dem Gerät erreicht werden kann. Der Preis für eine Vakuumpumpe: zwischen 300 und 500 Euro.
Mit der Vakuumpumpe lässt sich nicht nur üben. Sie hilft auch direkt vor dem Geschlechtsverkehr eine Erektion aufzubauen.
Mit einer Penisschlaufe lässt sich verhindern, dass das Blut vorzeitig wieder abfließt. Solche Schlaufen kosten etwa 23 Euro. Sie sollten nicht länger als 30 Minuten am Stück getragen werden, da der Penis sonst nicht ausreichend versorgt wird.
Eine Erektion verspricht das Auftragen eines Gels mit Prostaglandin-E-1 auf der Eichel. Dieser Triggerwirkstoff muss zehn bis 15 Minuten einwirken. Die Verwendung eines Kondoms wird empfohlen, um eine Übertragung des Wirkstoffs auszuschließen. Eine Einzeldosis kostet 17 bis 20 Euro.
Sogenannte Potenzmittel wie Viagra und Co. unterstützen einen schwachen, aber noch vorhandenen Erektionsmechanismus. Viagra und andere Produkte mit dem Wirkstoff Sildenafil kosten zwischen 2 und 5 Euro pro Tablette. Bei Cialis sind es circa 17,50 und bei Levitra etwa 12,50 Euro.
Eine große Überwindung kostet es sicher jeden Mann, sich selbst eine Spritze in den Penis zu geben. Allerdings können Männer, deren Nerven geschädigt sind, mit der Schwellkörper-Auto-Injektions-Therapie (SKAT) in der Regel wieder eine Erektion erreichen. Dabei tut der Piks nicht weh. Eine Dosis kostet circa 35 Euro.
Lässt sich eine Erektion auch mit der SKAT-Methode nicht mehr erreichen, etwa nach einer Prostata-OP, kann ein Schwellkörper-Implantat helfen. Der Eingriff kostet ungefähr 11.000 Euro, wird aber in fast allen Fällen von der Krankenversicherung bezahlt, wenn er ärztlich angeraten ist.
Das Reservoir, oben im Bild, wird neben der Blase platziert. Es wird mit einer sterilen Salzlösung gefüllt. Mithilfe der kleinen Pumpe am eckigen Verteilerstück, das später von außen nicht sichtbar im Hodensack liegt, wird die Flüssigkeit in die beiden Schwellkörper gedrückt. Der Penis richtet sich auf.
Ein Druck auf die Außenkanten des Ventils sorgt dafür, dass die Kochsalzlösung wieder zurück in das Reservoir fließt. Der Penis wird wieder weich. Patienten haben damit einen ganz normalen Orgasmus.
Eigentlich kann jedem Mann, der unter seiner Impotenz leidet, geholfen werden. Deshalb ist es so wichtig, darüber zu sprechen und einen Spezialisten aufzusuchen.
PDE-5-Hemmer sind daher wirkungslos bei Erektilen Dysfunktionen, die durch Nervenschäden hervorgerufen wurden. Auch wenn Durchblutungsstörungen vorliegen, können sie nicht eingesetzt werden. Weitere Gegenanzeigen kann ein Arzt nach eingehender Untersuchung feststellen. Medikamente wie Viagra sollten unbedingt nur nach ärztlicher Verschreibung eingenommen werden.
Wie lange hält die Wirkung an?
Die höchste Effektivität tritt bei den Medikamenten ungefähr eine Stunde und zehn Minuten nach der Einnahme ein. Danach nimmt die Wirkung kontinuierlich ab. Bei manchen Patienten reicht die Wirkung aber auch noch fünf Stunden, nachdem sie Cialis, Levitra oder Viagra eingenommen haben für eine ausreichende Erektion.
Die “Potenzpille” wird auch zum Lifestyle-Produkt.
In unserer stark sexualisierten Gesellschaft wird sexuelle Leistungsfähigkeit beim Mann leicht mit Männlichkeit gleichgesetzt. So verkauft sich Viagra auch als Lifestyle-Produkt sehr gut. Die Politik hat die Potenzpillen 2004 sogar per Gesetz von den Arzneimitteln ausgeschlossen. Die Kassen übernehmen keine Kosten mehr. Erektile Dysfunktion wertet die Politik seither als ebenso wenig behandlungsbedürftig wie Übergewicht oder Haarausfall. Für die Pharmaunternehmen ist das kein Problem. Denn die Kundschaft hält das nicht ab: Die Nachfrage nach Potenzmitteln steigt kontinuierlich.
Erhebliche Gesundheitsgefahren durch gefälschte Potenzmittel.
Preise pro Tablette.
Nach Ablauf des Patentschutzes für Viagra im Jahr 2013 sind neue Präparate mit demselben Wirkstoff erhältlich.
Cialis – ca. 17,50 Euro.
Levitra – ca. 12,50 Euro.
Aus Scham oder aus Kostengründen versuchen viele Männer Arztpraxen und Apotheken zu umgehen. Für vier Viagra-Tabletten müssen Patienten in der Apotheke bis zu gut 50 Euro bezahlen. Viele kaufen Potenzmittel deshalb im Internet. Laut einer Untersuchung des Zentrallabors Deutscher Apotheker in Eschborn ist jedoch jedes zweite Medikament, das im Internet bestellt wird, gefälscht.
Das birgt eine erhebliche Gesundheitsgefahr für die Nutzer, wie Dr. Mona Tawab deutlich macht: “Es gibt im Grunde keine gute Fälschung, denn sie werden unkontrolliert hergestellt. Man muss zwischen zwei Arten von Fälschungen unterscheiden. Die einen sind dem Original sehr ähnlich. Der Wirkstoff ist darin auch eingearbeitet, zum Teil allerdings in geringerer Dosierung. Es gibt aber auch tatsächlich Fälschungen aus Hinterhof-Produktionen, in die Lacke eingearbeitet werden. Sie einzunehmen, kann durchaus sehr gefährlich oder sogar lebensbedrohlich sein.”
Die Pharmazeutin warnt zudem vor pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln, die als harmlose Potenzmittel angepriesen werden. “Wir konnten darin schon synthetische chemische Stoffe nachweisen, die nicht deklariert sind. Und der Hammer ist allerdings, dass in solchen pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln der Viagra-Wirkstoff in viel höherer Dosierung enthalten sein kann als in den üblichen Tabletten. Das ist natürlich extrem gefährlich“.
Geschäft mit Potenzmitteln fast so ergiebig wie Drogenhandel.
Was für ein gutes Geschäft der Handel mit Viagra verspricht, registriert auch der Zoll am Frankfurter Flughafen. Im Einsatz gegen Medikamentenschmuggel setzen die Fahnder seit beinah zwei Jahren sogar einen speziell ausgebildeten Spürhund ein. Das Geschäft mit Anabolika und Potenzmitteln aus dem Internet ist in der Zwischenzeit fast so ergiebig wie der Drogenhandel. Allein 2013 stellte der Frankfurter Zoll mehr als eine Million Tabletten sicher. Schwarzmarktwert: gut zwölf Millionen Euro.
Impotenz – Die Angst der Männer.
Das “Ende der Männlichkeit”? Für viele kommt die Erektile Dysfunktion einem unerträglichen Versagen gleich. Dabei lässt sich Impotenz grundsätzlich erfolgreich behandeln. mehr.
Dieses Thema im Programm:
45 Min | 15.02.2016 | 22:00 Uhr.
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